Jugendtunnel öffnen – für den Erhalt urbaner Subkultur

By LAK MJA Sachsen, 27. Februar 2015

“Junge Menschen haben grundlegende Rechte auf gesellschaftliche Teilhabe und sozialräumliche Aneignung von Umwelt” (Fachstandards LAK Mobile Jugendarbeit Sachsen).

Am 22.01.2015 beschloss der Stadtrat Dresden mit knapper Mehrheit die Verfüllung des Fußgängertunnels am Neustädter Markt. Der Tunnel ist nicht nur beliebter Unterquerungspunkt der Große Meißner Straße, sondern auch ein etablierter Treffpunkt junger Menschen, insbesondere der hier historisch gewachsenen Skate- und Bikeszene. Mit großem Unverständnis reagieren daher Jugendgruppen im ganzen Stadtgebiet auf den -endgültig scheinenden- Beschluss der Politik und damit auf das Verschwinden einer der letzten großen Subkulturpunkten in der Altstadt. So sehr der nahegelegene Skatepark Lingnerallee auch angenommen wird, der Tunnel stellte das ganze Jahr eine Schlechtwetteralternative dar.

Jugend ist nicht (nur) laut und wild, sie ist auch engagiert und will gehört werden. Streetwork/ Mobile Jugendarbeit als Seismograph auf der Straße und im Viertel nimmt eine große Empörung darüber wahr, nicht gehört und nicht verstanden zu werden. Zu unseren Aufgaben gehört es, Unmut, Protest und Wünsche wahrzunehmen und in demokratische Beteiligung zu lenken. Von daher hat es sich die AG Streetwork, der Zusammenschluss aller Dresdner Straßensozialarbeiter, zum Ziel gesetzt, den Dialog über die Zukunft des -und idealerweise- den Tunnel selbst wieder zu eröffnen.

Wir wissen über die verschiedensten Kostenschätzungen, Verkehrskonzepte und Vorstellungen von Stadtentwicklung. Wir wissen über die Argumente bzw. Befürchtungen, die das Hochwasser hervorruft. Wir wissen, dass das Miteinander aller Interessengruppen in und am Tunnel oft nicht einfach ist. Wir wissen aber auch über den Stadtratsbeschluss zu Urban Art, dass Dresden bundesweiter Vorreiter bei der Schaffung legaler Graffitiflächen ist und dass gerade Skateboard fahren in dieser Stadt kein Randsport mehr, sondern ein Massenphänomen ist. Und wir wissen, dass jugendliche Argumentation zum Tunnelprozess noch nicht gehört wird.

Von daher rufen wir gemeinsam mit den Skatern, Künstlern, Bikern und Jugendlichen dieser Stadt zu einem Dialoggespräch am Samstag, den 14. März auf, um ab 15:00 Uhr an den Stufen des Tunneleingangs (Goldener Reiter) mit Politik, Anwohnern und allen Interessierten wieder ins Gespräch zu kommen.

Dresden, 19. Februar 2015

AG Streetwork (Kontakt: http://streetwork-dresden.de)

» herunterladen: Pressemitteilung im Original (PDF, 62KB)